Sonntag, 7. Dezember 2008

Die Frage nach der Leidensfähigkeit

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Es mangelt in dieser Gesellschaft nicht nur an Empathie, sondern auch am Wissen um simple biologische Zusammenhänge.
Grundvoraussetzung für "Glück" und "Leid" ist ein zentrales Nervensystem und das damit einhergehende Bewusstsein, sowie der der Umstand, dass unter diesen Voraussetzungen jede höher entwickelte Spezies über Glückshormone und das negative Pendant (Stresshormone, Adrenalin) verfügt.
Ich frage mich, warum solche Informationen im Biologieunterricht nicht ausreichend vermittelt werden.
Hängt wohl mit dem daraus resultierenden schlechten Gewissen einer unveganen Gesellschaft zusammen.

Man sollte Menschen nicht "vertierlichen" und so tun, als seien sie Opfer ihrer Instinkte.
Und wenn doch, wenn Menschen sowas nicht von selber raffen, wenn sie nicht die geistigen Voraussetzungen mit sich bringen, sich in andere Lebewesen hineinzufühlen, warum sollte man sie dann nicht als Nahrungslieferanten züchten, halten, ausbeuten und schlachten?

Die Frage nach der Leidensfähigkeit von Pflanzen und Tieren kommt immer wieder auf.
Was wäre, wenn ein Kohlkopf genauso leidet, wie ein Kalb?
Dann wäre es ja schon mal ziemlich dämlich, Tonnen pflanzlicher Ressourcen in ein paar Kilogramm Tierleid zu verwandeln.

Ich hatte eine interessante Diskussion zum Thema "Leidensfähigkeit", die exemplarische Fragen aufwarf und mir die Chance gab, sie zu beantworten.

C.:
Selbst kleinste Copepoden drängt es zum Licht, sie fliehen vor Fressfeinden oder lebensfeindlichen Zonen im Wasser, und wenn sie gefangen werden winden sie sich verzweifelt im Todeskampf - nicht viel anders als höher entwickelte Tiere.
Fluchtverhalten (das wir als Angst interpretieren) und auch der Versuch sich aus den Fängen des Räubers zu befreien (also Schmerz beim Gefressen werden, Lebenswille) ist schon bei diesen kleinsten Tieren vorhanden und hat mit bewusstem Erleben nicht viel zu tun. Bei diesen Tieren können wir uns problemlos vorstellen, dass Reiz und Reaktion ohne ein Bewusstsein funktioniert - ähnlich wie ein Roboter weinen, lachen und "aua" schreien kann, wenn bestimmte Knöpfe gedrückt werden.

Nein, so funktioniert das nicht.
Schmerz und Angst sollen vor Gefahren warnen. Sie sind also für so ziemlich jede Lebensform, die flucht- und reflexfähig ist, als unangenehm zu betrachten.
Und das, was Angst und Schmerz als unangenehm bewertet, ist das Bewusstsein.
Hirn, Augen, Nervensystem... Das sollte für ein Bewusstsein reichen.
Die Quantität an Nerven und Intelligenzpotenzial erhöht logischerweise das Bewusstseinspotenzial.


C.:
Schmerz oder Angst sind nicht von Nöten, um Gefahren auszuweichen oder Gefahren zu erkennen. Lediglich Flucht- und Ausweichverhalten, die auf bestimmte Reize folgen.

Du übersiehst, dass es belohnende und warnende Reize gibt.
Warnende Reize dürfen nicht angenehm sein, sonst würde kein Fluchtverhalten einsetzen, sondern das Lebewesen würde sich zur Gefahr hingezogen fühlen.
Und auch bei "primitiven" Lebensformen wird sich der Fortpflanzungsakt durch belohnende Reize bestätigen.
Das eine ist der Antrieb, das andere ist die Bremse.

C.:
Ein Hund, dem man das Rückenmark durchtrennt hat, zuckt auch noch mit der Pfote wenn diese verletzt wird.
Querschnittsgelähmte Menschen können ihre abgetrennten Rückenmarksbereiche konditionieren, weil auch in diesem abgetrennten System noch Prozesse ablaufen können, die wir als Angst beschreiben würden. Völlig ohne Bewusstsein oder unangenehmen Empfindungen.

Wenn diese Aussagen allgemeingültig wären, hätten viele Kranke weniger Probleme.
Bemerkenswert ist, dass Du als Beispiel Tiere und Menschen aufführst, die ihre Fluchtfähigkeit verloren haben.
Haben sie deshalb auch weniger Angst?
Sie wurden als fluchtreflexfähige Tiere geboren!
Das Potenzial ist wesentlich, nicht die Situation in der sich das Individuum befindet.


C.:
Zu deiner Annahme, immobile Tiere haben keine Schmerzen:
Wie sieht das bei sessilen Schnecken und Krebsen deiner Meinung nach aus?

Noch mal:
Die Quantität an Nerven und Intelligenzpotenzial erhöht logischerweise das Bewusstseinspotenzial.
Hirn, Augen, Nervensystem...
Seeanemonen haben kein Gehirn.
Dort, wo lediglich ein vegetatives Nervenzentrum vorhanden ist, bleibt auch der Belohnungseffekt aus.

C.:
Verstehe nicht, was du damit meinst.

Mit dem Belohnungseffekt?
Na, wenn ein Lebewesen Nahrung braucht und sich diese nicht wie ne Koralle aus dem Wasser filtert, muss es danach suchen, jagen, etc.
Damit es das tut, erfolgt ein Warneffekt namens "Hunger" und danach der Belohnungseffekt (Sättigung).
Gilt auch für Fortpflanzung, Lichtaufnahme, freien Raum und freie Zeit, etc...
Hunger, Geilheit, Angst und Schmerz wären sinnlos, wenn sie subprogrammatisch ablaufen würden.
Das Bewusstsein muss reagieren und das tut es nur durch Belohnung und Warnung.

C.:
Es geht einzig und allein um die Tatsache, dass ein System auch ohne Bewusstsein so agieren kann, dass wir eins vermuten.
Wenn wir einen Hund an der Pfote verletzen, der nix spürt, dann reagiert die Pfote trotzdem auf den Reiz als hätte sie Schmerzen. Was uns allerdings nicht vermuten lässt, dass die beteiligten Nerven ein separates Bewusstsein entwickelt hätten.

Na und? Du kannst diesem Hund problemlos die komplette Pfote entfernen, wenn Du ihm die Augen zuhältst und er wird nicht darunter leiden.

C.:
Ein Blumentier empfindet also bewusst Schmerz, aber weniger bewusst als ein Hund.
Wie kann man sich bei einem Schmerzreiz weniger oder mehr bewusst sein?
Die Heftigkeit der Reaktion ist bei beiden gleich.

Der Hund hat ein wesentlich höher ausgeprägtes Nervensystem und ein Gehirn.
Er interagiert komplexer, kann fliehen, kann winseln und vermissen...

C.:
Weder winseln noch vermissen beeinflusst unser Schmerzempfinden im Moment des Schmerzreizes.
Ich fragte nach dem konkreten Unterschied der Wahrnehmung, falls man davon ausgeht das Blumentiere bewusst sind, aber weniger bewusst als Hunde.

Parallel mit dem, was der Hund dem Blumentier an ausgeprägterem Nervensystem plus Gehirn voraus hat, leidet er auch psychisch stärker, als das Blumentier, wenn er physisch verletzt wird.
Definiere Leid nicht nur über physische Aspekte!

C.:
Ahja.
D.h. ein Mensch leidet auch mehr als ein Tier, weil er nicht nur den physischen und psychischen Schmerz während der Verletzung erfährt, sondern darüber hinaus noch lange Zeit über dieses schmerzhafte Ereignis nachdenken kann, und sich dabei sein Leid immer wieder vor Augen führt?

Nein. Auch nichtmenschliche Tiere können traumatisiert werden.
Aber ich denke, dass Menschen allein durch ihre Fähigkeit zum Selbstmitleid ihr Leid um einiges erhöhen...


Ende der Diskussion

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Der cerebrale Cortex Besteht aus vier Lappen und Assoziationsfeldern, die zwischen den wichtigsten sensorischen und motorischen Feldern liegen und den Input aus diesen Feldern integrieren und verarbeiten.
• Okzipitallappen: Verarbeitung visueller Information.
• Temporallappen: Gedächtnis, visuelle Erkennung, Verarbeitung von Emotion und akustischer Information.
• Parietallappen: Räumliche Verarbeitung und Integration des sensorischen Inputs mit den im Gedächtnis gespeicherten Informationen.
• Frontallappen: Verhaltensorganisation, Planung. Steuerung.


Wir müssen den Tieren nicht nur in die Augen schauen, um zu erkennen, dass sie leiden, wir können dafür auch einfach unser Gehirn benutzen.
Natürlich sind auch Insekten leidfähig, doch sie sind es ganz offensichtlich in geringerem Maße, als höher entwickelte Tiere und deshalb sollte man sie nicht miteinander aufwiegen.
Instinktiv sind wir uns darüber im Klaren.
Wer bekommt Depressionen oder Schuldgefühle, wenn Ameisen den Weg kreuzen?
Wer bekommt einen Nervenzusammenbruch, wenn er massenhaft tote Mücken auf einer Windschutzscheibe sieht?
Und wer denkt beim Rasenmähen an ein "Massaker"?

Da Pflanzen noch weniger über oben genannte Merkmale verfügen, erübrigt sich insofern auch die ewig gestellte Frage nach dem Leid der Kohlköpfe.
Es gibt eine evolutionäre Abstufung der Leidensfähigkeit und an dieser müssen wir uns orientieren, wenn es darum geht, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.


Mit bestem Dank und Grüßen an C.,
Schlunz


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Freitag, 22. August 2008

"Wahnsinnige und Mörder"

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Ich berufe mich in meinem Blog oft auf Achim Stößer.
Der Text unter der Überschrift "Vegetarier sind Mörder" ist gut, treffend und unumstößlich..
Dennoch möchte ich mal klarstellen, wovon ich mich distanziere, was mich nervt und was meiner Meinung nach echt nicht sein muss.
"Antithesimus.de" und "Raucher sind Mörder" schießen sehr weit am Ziel vorbei...

Ich beginne mal mit "Raucher sind Mörder":
Auf dieser Seite kann man ne Menge darüber erfahren, was das Rauchen anrichtet und daran gibt es auch nichts zu rütteln. Es kann nicht sein, dass Kinder, Tiere und nicht rauchende Menschen den Auswirkungen des Tabakkonsums ausgesetzt werden.
Leider wird auf Herrn Stößers Seite lediglich angeprangert und verurteilt.
Er vergisst, dass er es mit mit Suchtkranken zu tun hat.
Wer das Buch "Endlich Nichtraucher" von Allen Carr gelesen hat, weiß, dass dieser Mann am Ende war, bevor er es endlich schaffte, mit dem Rauchen aufzuhören.
Sein Körper, seine Psyche, sein Selbstvertrauen... Ein elender Kettenraucher, dem nicht mal Hypnose half.
Er beschreibt sehr ausführlich, wie das Nervengift "Nikotin" auf Psyche und Physis wirkt und wie er nach unzähligen Versuchen endlich die Kurve kriegte.
Mittlerweile starb er an Lungenkrebs.
Sucht ist eine Krankheit. Würden Spielsüchtige ihren Mitmenschen schaden, so wäre es doch sinnlos, sie nur zu verurteilen und ihnen lediglich die Auswirkungen ihrer Sucht, statt Therapiemöglichkeiten zu zeigen.
Wer sich mit dem Thema Sucht befasst, sollte die psychische Individualität von Menschen berücksichtigen.
Die verschiedensten Suchtcharaktere erfordern Seminare, Kurse, Therapien mit Psychologen und Therapeuten.
Diese Menschen gehen auf die Drogis zu (und zu denen gehören auch Raucher), statt sie zu verschrecken.
Von einer Sucht loszukommen, ist nicht so leicht, wie auf Tierleidprodukte zu verzichten und wer nie einer Versuchung erlag, kann sich deshalb nicht über andere erheben.
Wer mal von irgendwas abhängig war, kommt jedenfalls nicht auf diese Idee.
Allenfalls ein CDU Politiker, auf den sich Herr S. unter Anderem beruft:
"Die Zigaretten, wie sie heute angeboten werden, sind gemeingefährliche Mordinstrumente." Karl-Heinz Florenz (CDU)
Damit wird Leuten wie Allen Carr wunderbar geholfen.
Genauso geistreich und pauschal, wie die Aussage von SPD-Senator Sarrazin, man könne sich von 4,25 Euro pro Tag "sehr gut und ausgewogen" ernähren...
Das hat er mit seiner Frau im Urlaub ausprobiert und in der Diskussionsrunde von Anne Will legte er zur Demonstration eine spartanische "Mahlzeit" mit billiger Wurst auf den Tisch.

Ähnlich hält es Herr Stößer mit dem gelebten "Antitheismus", der ihn dazu berechtigt, jeden Menschen, der an etwas glaubt, als "Wahnsinnigen", "Psychopathen", "Soziopathen", "potenziellen Bombenleger und Selbstmordattentäter", etc. zu beschimpfen.
Nicht Religion und Dogma werden in Frage gestellt (was bei all dem Leid, welches im Namen der Religion verübt wird, durchaus Sinn machen würde), sondern der Glaube an sich.
Und das nicht philosophisch, sondern anprangernd.
Dabei beruft sich Herr S. auf die Vernunft, ohne zu bemerken, wie unvernünftig es ist, alle Formen des Glaubens, seien sie metaphysisch, religiös oder durch das Interesse an extraterrestrischen Lebensformen motiviert, in einen Topf zu werfen.
Wer sagt, es gäbe nichts, wo andere etwas vermuten, lehnt sich sehr weit aus dem Fenster, solange er seine Behauptungen nicht beweisen kann.
Ich möchte nicht über den geistigen Zustand eines Menschen urteilen, der meint, von Wahnsinnigen und Mördern umgeben zu sein und über diese richten zu können, ich bin kein Psychologe, doch ich möchte mich hiermit ausdrücklich von Herrn Stößer und Maqi distanzieren.
Das kommt ihm sicher recht, denn nach seiner Aussage schade ich den Tierrechten allein durch den Umstand, ein Theist zu sein.
Somit ist Ethik Sache jener, die nicht glauben oder ihren Glauben verloren/abgelegt haben.
Der Rest der Menschheit besteht aus Verrückten, die ihren Wahnsinn planen und Menschen indoktrinieren. "Wir sind Borg!"
Naja... Wenn man nur in Analogien denkt, kommen viele Mörder zusammen... Alles Mörder...
Sicher, unter Mördern fühlt man sich nicht wohl und dann muss man was tun...
Aber gewisse Aspekte sind doch differenzierter zu sehen (siehe oben).
Ich komme weiterhin nicht auf die Idee, in tierrechtsrelevanten Medien und Foren theistische oder metaphysische Aspekte als Argument für Ethik einzubringen.
Das wäre unethisch.
Niemand hat das Recht, kausale Aspekte anderer Menschen und Tiere zu beurteilen.
Und ein "ethisches Verhalten" wegen persönlicher kausaler Aspekte wäre kein ethisches Verhalten.
Es wäre Egoismus.
Der Rest nennt sich Demokratie.
Jeder Mensch hat das Recht zu denken, zu fühlen und zu glauben, was er will und jeder Mensch hat das Recht, sich zu äußern.
Ich denke, vor dem demokratischen Denken steht die Toleranz.
Auch Demokratie und Toleranz gehören zur Ethik.
Man muss abwägen, statt zu verallgemeinern. Letzteres ist natürlich leicht, man schafft klare Fronten und hat immer ne Analogie auf Lager, doch ich muss sicher nicht betonen, wohin Verallgemeinerungen führen.

Und was ich glaube, ist meine Sache. ;o)

Insofern mit besonderer Empfehlung: Goethe

LG, Schlunz


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Sonntag, 17. August 2008

"Die Wiege der Ethik"

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Science Fiction Roman von Schlunz

Download (PDF)







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Freitag, 8. August 2008

Ich bin kein Tierfreund

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Freundschaft ist ein schweres Wort.
Freundschaft will geprüft sein.
Sie entsteht meist über viele Jahre, in denen sie von beiden Seiten durch Einsatz und Hingabe bestätigt wird, bis sie ihre Wertigkeit erhält.
Freundschaft beinhaltet Vertrauen und Offenheit.
Bis dahin reden wir von "Kumpels", von "Bekannten" oder "potenziellen Freunden".
Tun wir das nicht und bezeichnen jemanden als Freund, den wir gerade erst kennen gelernt haben, so nehmen wir diesem Individuum sein Mitspracherecht.
Vielleicht weiß dieser Jemand gar nicht, wie er uns einschätzen soll, ob man uns vertrauen kann und ob das Wort "Freundschaft" nicht nur eine leicht dahingesagte Floskel ist.
Vielleicht passt diesem Jemand unsere Einstellung nicht, ethisch, sozial, politisch, theistisch...
Deshalb sollte Freundschaft immer beiderseitig besiegelt werden.

Wir definieren Freundschaft über Loyalität, Einsatz, Verständnis und Hingabe, nicht über Smalltalk und Oberflächlichkeiten.
Insofern bringt mein Hund bis auf das tiefere Verständnis doch viele Eigenschaften mit, die eine Freundschaft bestätigen.
Auch, wenn ihm jegliche Definition egal ist, sage ich mal: "Wir sind Freunde".
Und nun? Nun stehe ich unter der Verantwortung, ihn nie zu verarschen, immer für ihn da zu sein, ihn nicht im Stich zu lassen...
Diese Verantwortung sieht er für sich selber nicht. Für ihn gibt es nur das hier und jetzt und keine Definition der Freundschaft, die sich über Verantwortung und Schuld definiert.
"Freundschaft" ist hier insofern ein wackeliger Begriff.
Der Eine weiß eventuell nicht, ob er sie immer aufrechterhalten kann, der Andere weiß nicht mal, was das ist.

Dennoch fühle ich Freundschaft für meinen Hund und genauso tue ich es mit Menschen.
Warum empfinde und teile ich dieses Gefühl?
Weil ich diese Individuen kenne und sie mich kennen.
Ich habe ihre Eigenschaften kennen gelernt und ich habe Positives mit ihnen Erlebt, das eine freundschaftliche Definition rechtfertigt.
Wie sieht es mit anderen Menschen aus?
Bin ich ein Freund von George W. Bush? Von Schäuble, Merkel, Steinmeier und Koch?
Wollen die meine Freunde sein?
Hmm... Waren nur ganz wenige Beispiele... Man kann zwischen Diktatoren und Massenmördern seiner Phantasie freien Lauf lassen oder sich einfach klar machen, wieviele Leute man nicht leiden kann.
Die Welt ist groß.

Bin ich ein Menschenfreund?
Bist Du ein Menschenfreund?

Und was ist mit dem Hund der Nachbarn, der die ganze Familie im Griff hat und jeden Menschen im Haus anknurrt?
Ich gestehe mir zu, dass es auch nichtmenschliche Tiere gibt, die ich nicht leiden kann.
Da stimmt einfach die "Chemie" auf beiden Seiten nicht und das sollte man genauso akzeptieren, wie man es zwischenmenschlich tut.
Das spüren Mensch, Hund, Katze, Maus sehr schnell und sie gehen sich aus dem Weg.

Und was ist mit dem Käfer, den ich aus Versehen platt trete?
Will der mein Freund sein?
Und was ist mit den Milliarden "Nutztieren", die sich für meine Spezies die Beine in den Bauch stehen, bis sie deputiert und hingerichtet werden?
Wollen die alle meine Freunde sein? Ich denke, die haben andere Probleme...

Bin ich ein Tierfreund?

Schon allein deshalb, weil ich sie nicht alle aus ihrer Hölle befreien kann, bin ich nicht ihr Freund.
Ich bin lediglich für jedes Individuum ein potenzieller Freund, der Rest ist Sache der äußeren Umstände und des freien Willens auf beiden Seiten.
Ansonsten ist "Freundschaft" nur eine Floskel...
Deshalb lehne ich die Verallgemeinerung "Tierfreund" ab.
Schnell dahingesagte schwere Worte, die leider allzu oft von Menschen benutzt werden, die Tag für Tag Tiere ausbeuten.
Mit dem Begriff "Tierfreund" wurde schon unglaublich viel Geld gescheffelt.
Und zwar gerade dort, wo es sich um den Verzicht auf Leichenteile (Vegetarismus) oder um "Haus" - und "Kuscheltiere" handelt.
"Tierfreund" sein, bedeutet Ablass leisten.
Kein Wunder, dass man nirgends, wo man nach dem Begriff "Tierfreund" sucht, Hinweise auf Veganismus findet.
Nicht mal bei "Ein Herz für Tiere"... Meine selige Mama hat mir das immer mitgebracht, als ich noch klein war und die haben sich nicht verändert. Nur Hunde, Katzen, Goldhamster und ein Bisschen Artenschutz...
Eins haben die alle nicht begriffen:

Um jemanden nicht umzubringen, muss ich nicht sein Freund sein.




Schlunz


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Dienstag, 15. April 2008

"Fanatismus"

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Veganer sind "fanatisch", besonders, wenn sie sich für Tierrechte einsetzen.
Sie sind "intolerant" oder sogar "faschistoid"...
Das hat wohl jeder Veganer schon mal gehört.
Oft sind es vermeintlich intelligente Menschen, die solchen Mist daherplappern.
Intelligenz indiziert sich hierbei über ihren akademischen Grad, ihren beruflichen Status, ihre Bildung und wenn jemand etwas sagt, was anderen als bequem erscheint, ist es völlig egal, ob es Schwachsinn ist, oder nicht.
Da muss man nicht hinterfragen, ob es Sinn macht...
Und wenn man es doch tut?
Dann kommt man über Analogien zu völlig anderen Schlüssen.

Was macht einen Pazifisten aus?
Was tut er? Oder besser: was tut er nicht?
Er unterlässt etwas, das Leid verursacht.
Er greift nicht zur Waffe, tötet keine Menschen, übt sich auch nicht darin und lehnt jegliche Gewalt gegen Menschen ab.
Das gilt für Krieg, Aufstände, Kundgebungen und Sonstiges...
Fakt: Ein Pazifist beteiligt sich nicht am allgemein geduldeten und praktizierten Foltern und Ermorden menschlicher Tierpersonen.

Und was macht einen Veganer aus?
Was tut er? Oder besser: was tut er nicht?
Er unterlässt etwas, das Leid verursacht.
Und zwar so weit es ihm möglich ist, in allen Bereichen seines Lebens.
Das gilt für Nahrung, Kleidung, Körperpflege, Haushalt und Sonstiges...
Fakt: Ein Veganer beteiligt sich nicht am allgemein geduldeten und praktizierten Ausbeuten und Ermorden nichtmenschlicher Tierpersonen.

Ich frage nun jene, die Veganern Fanatismus und Faschismus unterstellen, ob dies auch auf Pazifisten zu übertragen wäre.
Gibt es fanatische und faschistoide Friedfertigkeit?
Kann ein Pazifist mit Sendungsbewusstsein (make love, not war!) fanatisch sein?
Ist seine Intoleranz gegenüber Mord und Todschlag verwerflich?
Gibt es Toleranzgrenzen für Krieg und Völkermord?

Wenn es um Menschen geht, sicher nicht. Da sind sich alle einig.
Das andere, was die Veganer beanstanden und boykottieren, das betrifft aber "nur" Tiere.
Und diese nichtmenschlichen Tiere sind Privatbesitz, sind herrschaftlich untergeordnete Ware und Freiwild.
Der Mensch hat sie durch Abgrenzung seiner eigenen Spezies dazu deklariert und insofern ist die Kritik am Speziesismus sicherlich etwas, das man in einer speziesistischen Gesellschaft als Intolereranz bezeichnen kann.
Doch man kann ganz bestimmt nicht den Begriff des Faschismus einwerfen, denn es geht einem bewusst ethisch handelnden Menschen, ob Pazifist oder Antispeziesist wohl kaum darum, sich von der mordenden Masse in arroganter Weise abzuheben.
Dazu müssten Veganer ein elitäres Bewusstsein haben, das den Umstand beinhaltet, eine kleine Gruppe bleiben zu wollen.
Wäre dem so, würden sie sicherlich nicht versuchen, ihre Mitmenschen vom ethischen Weg zu überzeugen.
Und auch der Fanatismus kann nicht zutreffend sein, so wahr er eben auch nicht auf den Pazifismus anwendbar ist.

Bleibt noch der Vorwurf des "Extremismus".
Es ist für viele unaufgeklärte Menschen extrem, wenn jemand gänzlich auf Tierleid verzichtet.
Sie wissen nichts von der breiten und immer größer werdenden Produkt- und Rezeptpalette veganen Genusses, sie haben absolut keinen Plan von sinnvoller Ernährung und alternativer Kosmetik, sowie Kleidung.
Bis auf einen jämmerlichen Haufen namens "Antiveganer" klammert sich aber kaum jemand verzweifelt an Lügen und so ist Aufklärung in dieser Gesellschaft das A und O.

Und so möchte ich alle Veganer bitten, diese Aufklärung auch zu betreiben, selbst WENN man ihnen erst mal Fanatismus, Extremismus und anderen Mist an den Kopf knallt, denn Ethik ist genauso wenig Privatsache, wie Tierleid und wenn Ethik zu einer Weltsprache werden soll, müssen wir alle den Mund auf machen.
Was soll denn daran extrem sein, wenn jemand in allen ihm möglichen Bereichen auf Tierleid verzichtet, wenn es doch so einfach ist?
Sollte es gute Argumente für Speziesismus und Massenmord an nichtmenschlichen Tieren geben, so müssten wir sie akzeptieren, doch es gibt sie ja nicht.
Das betrifft sowohl das Nahrungsungleichgewicht, die Gesundheit, als auch den global ökologischen Aspekt und die Ethik ganz allgemein.
Wenn Veganer doch die besseren Argumente haben, kann es nicht sein, dass sie sich durch dummes Dahergeplapper über Fanatismus, Extremismus und Faschismus auf die Zunge beißen und schweigen, wie ich es immer wieder erlebe.

Solange nichtmenschliche Tiere für diese Gesellschaft leiden, sind wir ihnen weit mehr schuldig, als auf ihr Leid zu verzichten.
Es kann nicht ausreichen, Tierleid zu boykottieren und sich dann unter Omnivoren und Vegetariern zu schämen, sich in sich zurückzuziehen und Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, nur weil der in diesem Artikel erwähnte Unsinn mit hoher Wahrscheinlichkeit als Selbstschutz-Argument von Speziesisten aus der Reserve geholt wird.
Wer vegan lebt, sollte dies auch nach außen tragen, mit Selbstbewusstsein, Sendungsbewusstsein und Stolz.

Also: Nicht dumm daher reden, was einem als bequem erscheint und nicht alles unkommentiert im Raum stehen lassen, was andere sagen. ;o)

Schlunz


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Donnerstag, 20. März 2008

Spiritualität versus Ethik

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Tag für Tag lese ich in Foren und Magazinen Beiträge, die Ethik und Spiritualität, bzw. Esoterik miteinander vermischen. Leserbriefe im Magazin des VEBU haben das schon vor Jahren angeprangert.
Nicht nur religiöse Aspekte wie Karma werden thematisiert, sondern neuerdings auch der Aspekt, dass Tierkommunikatoren (Telepathen) aus erster Hand (also von ausgebeuteten Tieren) Informationen erhalten, die als Rechtfertigung für praktizierten Speziesismus gelten.
Man weiß angeblich von nichtmenschlichen Todeskandidaten, dass jene es okay finden, wenn Menschen sie züchten, umbringen und verspeisen.
Es ist schwer zu sagen, wie viele Leute darin einen Freibrief für ihren Speziesismus sehen und somit ist völlig klar, dass diese Aussagen für Tierrechte nur kontraproduktiv sein können.
Dasselbe gilt für religiöses Karmageschwafel.
Es sollte doch völlig irrelevant sein, ob der Mensch durch seinen Speziesismus negative oder positive Energien erntet, denn im Fokus stehen in erster Linie jene nichtmenschlichen Tiere, die leiden und ermordet werden. Ihnen geht unser Karma am Allerwertesten vorbei.
Sich aufgrund einer persönlichen Kausalität ethisch korrekt zu verhalten, bedeutet Egoismus und Egoismus beißt sich mit den Zielen spiritueller Wege.
Somit sollte Ethik als solche argumentativ völlig ausreichen, sich ethisch zu verhalten.
Es bringt absolut gar nichts, seinen Glauben, seine Religion oder seine konfessionslose Spiritualität mit ethischen Aspekten zu vermischen.
Jede Religion hat ihre für mittelalterliche Zeiten geltenden Gesetze, ihren absoluten Unsinn und ihre Dogmen, die sich mit anderen Religionen beißen.
Wie soll man also über Religion einen weltweiten ethischen Nenner finden?
Das einzige, was man auf diesem Wege findet, ist Verwirrung.
Und deshalb ist es wichtig, allen Menschen, die Ethik und persönliche Spiritualität miteinander verpanschen, laut und energisch zu widersprechen, egal ob es sich um Christen, Hindus, UL-Anhänger oder Tierkommunikatoren handelt.
Es reicht doch, dass der Großteil dieser Gesellschaft zu blöd ist, sich autark vegan zu ernähren, zu blöd ist zu kochen, weil wir das in Zeiten der Fertiggerichte und des Fastfoods in Rekordzeit verlernt haben.
Es reicht doch, dass der Großteil dieser Gesellschaft unter veganen Schuhen nichts anderes versteht, als Gummistiefel.
Da brauchen wir keine weiteren Wirrungen.
Wir brauchen keine Diskussionen um die Fragen, ob Urchristen Veganer waren, ob Jesus ein Veganer war, ob Hinduismus ethisch korrekt ist (ist er nicht) und ob Schweine lachend in die Kreissäge springen wollen.
Wenn Ethik zu einer Weltsprache werden soll, muss die Religion draußen bleiben, denn Religion hat es noch nie geschafft, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Dasselbe gilt für Tierkommunikation, die immer einen Aspekt individueller Deutung darstellen wird.
Und so schließe ich diesen Artikel mit einem beliebten Koan (Sinnfreie Philosophie des ZEN):

Was ist Mu?



LG, Schlunz

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Dienstag, 12. Februar 2008

"Veredelung"

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Seit Jahren höre ich von antiveganen Skeptikern dasselbe Argument:
"Wenn alle Menschen dieser Gesellschaft vegan leben würden, würde sich für die Dritte Welt nichts verändern... Es gibt genügend Ressourcen, sie werden nur ungleich verteilt, um politischen Druck auszuüben."
Und seit Jahren kursieren schwankende Zahlen über die Mengen von Soja und Getreide, welche zu Fleisch, Milch und Eiern "veredelt" werden.
Allein der Umstand, dass sich Welthungerorganisationen, Umweltschützer und Institute nicht auf einen Nenner einigen, reicht für Skeptiker, das Problem zu negieren.
Nun hat sich aber auch in der europäischen Union herumgesprochen, was bisher angeblich nur als haltlose Propaganda von Veganern abgetan wurde und die Stuttgarter Zeitung hat sich des Themas angenommen:
...In wenigen Jahren hat sich das Blatt der europäischen Agrarpolitik völlig gewendet. Während bis vor kurzem das wichtigste Ziel noch darin bestand, die Produktion zu drosseln und der stagnierenden Nachfrage anzupassen, beginnt man sich jetzt in Brüssel über die drohende Knappheit der Agrarrohstoffe Sorgen zu machen. Die Butterberge und Milchseen, die unverkäuflichen Rinderhälften in den Kühlhäusern und die Getreideüberschüsse gehören der Vergangenheit an.

Die Lagerhäuser sind inzwischen leer, die Vorräte geschrumpft. Die Getreide- und Milchpreise auf dem Weltmarkt sind auf ungewohnte Höhen geklettert. "Wir machen uns angesichts der großen Schwankungen bei den Ernten inzwischen wieder Sorgen um die Eigenversorgung in Europa. Die Versorgungssicherheit steht wieder ganz oben auf der Agenda", heißt es in Brüssel. Der unerwartete Wechsel von Überschuss zu Knappheit wurde allerdings weniger durch die von den EU-Agrarreformen verordneten Flächenstilllegungen und Produktionsquoten verursacht, sondern vor allem durch äußere Faktoren: Die Nachfrage nach Lebensmitteln in Schwellenländern wie Indien und China ist gestiegen. Ein neuer Mittelstand kommt zu Geld und kann sich teurere Lebensmittel leisten. Der Kalorienbedarf wächst, die Konsumgewohnheiten verändern sich.

Anstatt sich mit der traditionellen Schale Reis zufriedenzugeben, wenden sich die Gewinner der Globalisierung in Asien so ungewohnten Genussmitteln wie Milch, Käse oder Whisky zu. Mehr und mehr werden "veredelte" Lebensmittel nachgefragt: anstatt Getreide Fleisch von Rindern, die mit Getreide gefüttert werden, Eier von Hühnern, die mit Körnern gemästet werden. Da für ein Kilo Fleisch bis zu vier Kilo Getreide verfüttert werden müssen, steigt der Bedarf an dem landwirtschaftlichen Rohstoff Getreide - und kann weltweit wegen schlechter Ernten nicht mehr befriedigt werden.

Wie reagiert Brüssel, wo alle Fäden der gemeinsamen EU-Agrarpolitik zusammenlaufen, auf die veränderte Situation? Ende September haben die EU-Agrarminister auf Vorschlag der EU-Kommission die Bauern von der Verpflichtung zur Flächenstilllegung freigestellt. Doch im besten Fall kann dadurch die Getreideproduktion in der EU im nächsten Jahr um rund zehn bis 17 Millionen Tonnen erhöht werden. Schon im vergangenen Jahr ist aber die Ernte um 266 Millionen Tonnen schlechter ausgefallen als erwartet. Die Erträge in diesem Jahr sind angesichts der ungewöhnlichen Trockenperiode im Frühjahr noch einmal um 20 Prozent gesunken...

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/1544936

Fazit:
Wenn wir alle vegan leben, ändert das sehr viel, denn ohne Veredelung von Getreide gibt es auch keine Preisdifferenzen, durch welche politisch Druck ausgeübt wird. Dann ist Getreide Getreide und es wird nicht in "Viehfutter" für reiche Länder, "Viehfutter" für arme Länder und sonstiges Getreide unterschieden.
WIR bestimmen durch unser Verhalten den Markt und damit die Marktwirtschaft. WIR haben es zu verantworten, wenn aus Tonnen von Getreide ein paar Kilo Fleisch und ein paar Liter Milch gewonnen werden.
Getreide, das aus Flüssen gespeist wird, die zunehmend versanden.
WIR steuern den Wasserhaushalt und die Armut dieses Planeten.
Die Mittel dazu geben wir jenen, denen wir die Schuld in die Schuhe schieben.
Das ist billig und ignorant.

Im Prinzip müsste mein Sticker schon auf jedem unveganen Produkt kleben...


Die Motivation, vegan zu leben sollte in erster Linie ethischer Natur sein, da es unnötig und barbarisch ist, nichtmenschliche Tiere auszubeuten, doch auch das Nahrungsungleichgewicht läuft unter einem ethischen Kontext.
Was nützt es, Müll zu trennen, Strom zu sparen, mit der Bahn, bzw. dem Fahrrad zu fahren und sich anderweitig zu engagieren, wenn man mit ein paar Gramm Fleisch, ein paar Litern Milch und ein paar Eiern einen so immensen Schaden verursacht?
Tierleid, Umweltverschmutzung und Nahrungsungleichgewicht gekoppelt mit ungesunden Fetten und Cholesterin…

Naja... Bis die EU-Agrarminister Nägel mit Köpfen machen, werden wohl noch viele Trockenperioden für lange Gesichter sorgen und wenn sie jemals Konsequenzen einleiten, sind diese sicher nicht veganer Natur...



Schlunz


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